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Wie kommen eigentlich die Blumen da rein?
 

 


 

 

 

 

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Seit ich begonnen habe, mich mit Glasperlen zu beschäftigen, habe ich Blumenperlen immer als “Königsdisziplin” empfunden, und ich weiß, dass viele Anfänger und Perleninteressierte immer als erstes fragen “... und wie bekommst du da die Blümchen rein?”.

Deswegen hier ein ausführliches Tutorial zu diesem Thema. Über eine Mail dazu würde ich mich freuen!


 

Als erstes ziehe ich Stringer, also dünne Glasfäden, mit denen ich wesentlich exakter arbeiten kann, als mit den ganzen Stangen. Dazu wärme ich die Glasstangen vorsichtig in der Flamme vor, damit die Glasstange nicht durch den Temperaturschock platzt und mir die heißen Glasbratzelchen um die Ohren fliegen.

Wenn ich einen kleinen Glasblob zusammenhabe, packe ich ihn mit einer Pinzette und ziehe ihn zu einem Faden. Je schneller ich ziehe, desto dünner wird der Faden. So kann ich schon vorher bestimmen, wie filigran die Dekorationen sein werden, die ich mit diesem Stringer machen werde.

 


 

  
 
Dann beginne ich mit der eigentlichen Perle.
Zuerst wärme ich einen weißen Glasstab vorsichtig an, und schmelze einen kleinen Blob. Das blaue Fauchen des Brenners ist durchaus berechtigt, Glas braucht zum Schmelzen ca. 1400 – 1600° Celsius.
 
Gleichzeitig wärme ich einen Perlendorn an, und lasse ihn einmal ganz kurz rot aufglühen.
 

Der Dorn ist mit einem Trennmittel beschichtet, damit die Perle nachher wieder abgeht und nicht am Stahl kleben bleibt.

Das Trennmittel besteht aus verschiedenen Substanzen, unter anderem Kaolin, Aluminiumoxid und Betonit, man kann es fertig gemischt kaufen und braucht es nur noch mit Wasser zu einer Art “Pampe” anrühren.
 

 

Wenn ich genügend heißes Glas oben auf der Stange gesammelt
habe, setze ich die Stange vorsichtig auf dem Perlendorn auf. Den Dorn drehe ich langsam von mir weg und ziehe damit das geschmolzene Glas auf den Dorn. Dabei arbeite ich so, dass die Glasstange und der Rest vom Blob in der Flamme des Brenners bleiben, der Dorn mit dem Glas jedoch unterhalb der Flamme abkühlen kann.

Sobald das geschmolzene Glas an der Stange verbraucht ist, muss die Stange sofort abgeschmolzen werden, sonst riskiert man, die Perle vom Dorn zu reißen, weil das kühlere Glas noch zu zäh ist.
 
Dann kann ich diese Miniperle rund schmelzen. Dazu brauche ich sie nur in die Flamme zu halten und den Dorn gleichmäßig zu drehen. Würde ich das nicht tun, würde die Schwerkraft das geschmolzene Glas vom Dorn tropfen lassen.

Gleichzeitig schmelze ich schon mal einen Blob in der nächsten Farbe, “Inkblue” – eine transparente Farbe, die ein sehr schönes Violett ergibt, wenn man sie dünn über weiß verarbeitet.

Der Glasblob, den ich nun brauche, sollte etwa die gleiche Größe wie meine Grundperle haben.
 

 
Während ich das geschmolzene Inkblue oben auf der Stange balanciere, muss ich die kleine Perle im hinteren Teil der Flamme warm halten, sonst würde sie springen. Sie darf dabei keinesfalls zu weich werden und die Form verlieren und muss permanent gedreht werden.
 

 
Wenn der Blob heiß genug ist, lass ich das geschmolzene Glas auf meine Perle tropfen und setze gleichzeitig die Stange senkrecht auf die Perle auf.

Während ich den Dorn nach hinten drehe, schiebe ich mit der Stange den ganzen Tropfen über die Perle, bis ich einmal rum bin.
 

Rechts und Links am Dorn blitzt nun immer noch  weißes Glas raus und der blauen Überfang hat eine unschöne kleine Wulst am Rand. Mit einem Werkzeug verteile ich nun den Rest des Glases so, dass diese Unregelmäßigkeiten beseitigt werden.

Dazu muss erstmal die Perle ein wenig abkühlen, da ich wirklich nur die Oberfläche bewegen möchte. Bei einer Perle, die durch und durch heiß ist, würde die Gefahr bestehen, dass die ganze Perle ihre Form verliert.

 
Dann erhitze ich genau die Teile der Perle, die ich bearbeiten möchte. Mit dem Zahnarztspachtel schiebe ich dann das Glas bis an den Dorn.
 

 
Dann schmelze ich die Perle rund. Dazu halte ich sie in die Flamme und drehe sie langsam, bis die Form schön rund und gleichmäßig ist. Zwischen durch nehme ich sie aus der Flamme und kontrolliere die Form.
 
Ich erhitze die gesamte Perle und forme sie auf einem Graphitpaddel zu einer kleinen Walze.

Graphit, weil das eins der wenigen Materialien ist, an dem heißes Glas nicht kleben bleibt.
Dann drehe ich die Flamme von meinem Brenner ganz klein und trage ein paar Schnörkel mit einem speziellen Stringer auf.

Dieser Stringer hat noch gaaanz feine schwarze Linien, die ihm mehr Struktur verleihen, so dass es nachher in der fertigen Perle nach Blumenstängeln aussieht.
 

 
Um so einen Stringer herzustellen, muss man einen grünen Blob schmelzen, und auf diesen wiederum mit etwas dickeren schwarzen Stringern Linien aufmalen. Wenn das ganze dann zum Stringer gezogen wird, werden die schwarzen Linien ganz dünn.
 
Noch mal zur Oberflächenspannung: Egal, was für Verzierungen ich auf die Perle aufbringe – sobald ich die Perle richtig erhitze, wird alles, was erhaben ist, von der Kugel absorbiert und in die Perle aufgenommen.

Verzierungen, die erhaben bleiben sollen, müssen aber trotzdem gut durch erhitzt werden, um sicherzustellen, dass sie sich ordentlich mit der Perlenoberfläche verbinden und nicht wieder abfallen.

Es braucht ein wenig Fingerspitzengefühl, um das richtig zu dosieren.
Das ist aber nur am Anfang tricky – später entwickelt man ein Gefühl dafür, wie lange man man die Perle in die Flamme halten kann, bzw. muss.
 

   


 

Mit immer noch relativ kleiner Flamme fange ich an, ringsum die Perle herum, weiße Punkte mit einem der vorbereiteten Stringer aufzutragen. Ich mag Blüten mit 5 Blütenblättern, also mache ich pro Blüte 5 weiße Punkte.

Da ich recht kleine Perlen mache, bekomme ich normalerweise 4 Blüten auf eine Perle. Ich versuche schon beim Setzen der Punkte, die Blüten einigermaßen gleichmäßig über die Perle zu verteilen.
 

 
Anschließend werden die Punkte flach geschmolzen, aber Vorsicht! Zuviel Hitze und zu heiß drauf geballert, und die Punkte werden sich unkontrolliert über die ganze Perle ausbreiten.
 
Also schön vorsichtig, mit kleiner Flamme und die Perle zwischendurch immer mal wieder kontrollieren.

Ach ja – und habe ich schon erwähnt, dass die Perle natürlich weiterhin immer gedreht werden muss, damit sie rund bleibt?
 

   

Auf die weißen Punkte kommen nun blaue Punkte. Wenn ein winziger weißer Rand von den weißen Punkten zu sehen bleibt, ist das in diesem Fall nicht schlimm, die Blütenblätter haben dann eben auch ein helleres Rändchen, was ich persönlich ganz hübsch finde.

 

Ich arbeite auch hier wieder mit ganz kleiner Flamme. Wenn ich die Flamme größer lassen würde, müsste ich darauf achten, ganz am Rand der Flamme zu arbeiten. Der Stringer würde sich sofort zu einer Kugel zusammenballen und abreißen, wenn er die volle Hitze abbekäme.
 
Dann schmelze ich auch die blauen Punkte ein, aber nicht ganz, damit ich unter Kontrolle behalten kann, wie stark sie sich ausbreiten.

Im nächsten Arbeitsschritt werden die Punkte nämlich noch einmal erhitzt, und werden dann auch nochmal wieder etwas flacher.

Vorher lasse ich die Perle aber noch ein wenig abkühlen, bzw. sorge dafür, dass die Perle einigermaßen gleichmäßig erhitzt ist.

 

Nun kommt was Wichtiges: Ich erhitze jede Blüte noch mal einzeln und steche dann mit einem Werkzeug (Wolframstab) in die Mitte von jedem Punktkreis. Dadurch werden die Punkte verzogen, und zwar in das Zentrum der Blüte. Zum einen bekommen sie dadurch ihre blütenblattähnliche Form, zum anderen bekommen die Blüten dadurch eine Vertiefung in der Mitte, in der später beim Überfangen eine winzige Luftblase gefangen wird.

Die Spitze vom Dorn lehne ich dabei an die Brennerspitze, so kann ich wesentlich genauer arbeiten.
 
Wolfram ist auch wieder ein Material, an dem heißes Glas nicht kleben bleibt. Man kann aber auch Edelstahl nehmen, den man immer mal wieder in etwas Wasser abkühlt.
 
Fast fertig – man sieht deutlich, dass die kleinen Blütenblätter noch etwas erhaben hoch stehen, und hübsch in Form geblieben sind.

Man könnte die Perle eigentlich auch so lassen, vielleicht noch die Löcher vom Einstechen glatt schmelzen, die Blütenblätter ganz flach schmelzen und fertig. Aber die klassische Blütenperle ist noch schwer mit Klarglas überfangen, und macht dann auch ganz besonders viel her! Je dicker die Schicht aus Klarglas ist, desto stärker wird der "Lupeneffekt".
 
Jetzt kommt eigentlich nix Neues mehr – Klarglas zum Blob schmelzen, der genauso groß oder etwas größer als die Perle ist, die Perle dabei im hinteren Teil der Flamme warm halten und rotieren.

Wichtig: den richtigen Moment abzupassen, in dem ich den Blob auf die Perle tropfen lasse und rum schiebe – die Grundperle darf nicht zu warm sein, sonst verschmieren die Blütenblätter, und sie darf nicht zu kalt sein, sonst könnte sie platzen, oder (besonders schlimm bei Schwarz) winzige Luftbläschen, die wie Schaum aussehen, einfangen.
 
Wenn ich mit dem Klarglas einmal rum bin, kontrolliere ich die Perle sorgfältig, ob keine Löcher im Überfang sind, wenn das “Innere” der Perle in den Überfang blutet, sieht das schlimm aus, weil die Farben sich verändern, und das Muster verzogen wird.
 

   

Dann lasse ich die Perle ein wenig abkühlen, erhitze sie anschließend an den Rändern und schiebe das Glas bis an den Dorn.

Dabei erhitze ich natürlich immer nur den Teil der Perle, den ich auch sofort bearbeite.


 

Nun erhitze ich die Perle noch mal gut durch, dabei drehe ich sie schön gleichmäßig, um sicherzustellen, dass sie nicht aus der Form gerät.

Dann nehme ich sie aus der Flamme, drehe sie noch ein Weilchen und warte, bis sie aufhört zu Glühen. Anschließend wandert die Perle bei 510° C in den Ofen, wo sie kontrolliert abgekühlt wird.
 

 
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